Beatings. Museum des überholten Wissens

Finished 2005
Ensemble
duration: 20'


"Eine Prüfung der langfristigen sozialen Entwicklung des Zeitbestimmens und
ihrer Richtung macht es (...) leichter zu erkennen, daß die Annahme einer existenziellen
Kluft zwischen und , die in unserer Zeit viele Diskussionen der
Gelehrten beherrscht, ein ungeprüftes Axiom unserer Epoche ist. Man muss also nachprüfen,
ob sie nicht bereits ins Museum des überholten Wissens gehört." Norbert Elias

Ich bin daran interessiert, eine unruhige Musik zu schreiben. Musik, die untersucht, inwieweit es möglich ist, bestimmte Erkenntnisse aus der Physik, der Linguistik, der Soziologie o.a. zu einer Erfahrung zu machen.
In dem Buch „Über die Zeit“ von Norbert Elias wird Zeit als Naturkonstante, wie sie oft verstanden wird, dekonstruiert und als kulturelle Errungenschaft dargestellt: Zeitbestimmen ist laut Elias eine Syntheseleistung der Menschen und beruht „auf der Fähigkeit von Menschen, zwei oder mehr verschiedene Sequenzen kontinuierlicher Veränderungen miteinander zu verknüpfen, von denen eine als Zeitmaßstab für die andere(n) dient.“ Der Begriff der Zeit ist hier irreführend, da es keine feste nominale Größe gibt, in der sich alles bewegt. Passender wäre ein Verb, etwa „zeiten“, das die Aktivität des Vergleichens regelmäßiger Bewegungen (z.B. einer Uhr) mit unregelmäßigen hervorhebt, und „den Charakter einer universellen Dimension“ Verschwinden lässt. Mich interessiert an Elias' Zeitbegriff die nicht-hierarchische Ordnung von Bewegungen: Nicht eine gleichförmige Urbewegung - Zeit - in der sich alles bewegt, einschließlich unserem „subjektiven (…) Zeitempfinden“ - sondern frei nebeneinander fließende Bewegungen, Tempi, Pulse, Lautstärken, die zwar aufeinander bezogen werden können, aber nicht auf eine Wurzel, auf einen Ursprung.
Wenn die ‚regelmäßige Bewegung’ - die ‚Uhr’ - unregelmäßig tickt, verändert sich dann das Empfinden einer alles transzendendierenden, fließenden Zeit? Wenn der Vergleich mit dem Bezugspunkt verschwimmt da dieser unregelmäßig wird und dadurch das Kommende nicht mehr aus dem Gewesenen abzuleiten ist, wird vielleicht die Bewegung selbst erfahrbar. Das ist ein offener Moment, eine Unsicherheit, die ich in diesem Stück erreichen möchte.



"Eine Prüfung der langfristigen sozialen Entwicklung des Zeitbestimmens und
ihrer Richtung macht es (...) leichter zu erkennen, daß die Annahme einer existenziellen
Kluft zwischen und , die in unserer Zeit viele Diskussionen der
Gelehrten beherrscht, ein ungeprüftes Axiom unserer Epoche ist. Man muss also nachprüfen,
ob sie nicht bereits ins Museum des überholten Wissens gehört." Norbert Elias

I am interested in writing a anxious music. Music that investigates in how far it is possible to transcribe certain physical, linguistic, sociological et. al. expertises into musical experiences.
In the Book „Über die Zeit“ (Time. An Essay) by Norbert Elias the term time is deconstructed in its understanding as a natural constant an in opposite is presented as a cultural achievement: to define time is according to Mr. Elias an activity of synthesis of mankind is based on the ability to compare two or more sequences of continuous shift using one as measurement of time fort he other.“ The term time is misleading, as it seems to be a fixed nominal dimension in which everything is moving. To time something would be more adequate, as it would emphasize the activity of combining a regular movement (for example of a clock) with an irregular one. My personal interest in Mr. Elias’ notion of time is its non-hierarchical form for all kinds of movements: No main regular movement – time –in which everything else is moving does exists but different movements – including our subjective sense of time – co-exist side by side and can be concerted to each other but do not refer to an origin.
If the possibility of comparison to a fixed dimension gets lost and therefore forthcoming events can not be predicted by past events the music reaches an open, precarious moment I like to achieve.


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